Flughafen Düsseldorf: Nachbesserung oder nur Kosmetik in der PWK?

Özay Tarim

von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär

BDLS Mitgliedsunternehmen Klüh Security GmbH

Flughafen Düsseldorf: Nachbesserung oder nur Kosmetik in der Personal- und Warenkontrolle (PWK)?

Warum die Personal- und Warenkontrollen endlich dauerhaft mit mehr Kontrollkräften besetzt werden müssen!

Seit geraumer Zeit erreichen uns als Gewerkschaft ver.di zahlreiche Beschwerden von Beschäftigten am Flughafen Düsseldorf. Betroffen sind sowohl die Kolleginnen und Kollegen der Firma Klüh Security, die die Personal- und Warenkontrollen durchführen, als auch die Beschäftigten anderer Unternehmen (z. B. DSW), die täglich durch diese Kontrollen müssen, um überhaupt ihren Arbeitsplatz im Sicherheitsbereich erreichen zu können.

Insbesondere zu Schichtwechseln und Dienstbeginn kommt es immer wieder zu langen Warteschlangen. Beschäftigte stehen rechtzeitig an den Kontrollstellen an, verlieren dort jedoch wertvolle Zeit und gelangen teilweise verspätet zu ihren eigentlichen Einsatzorten. Die Folgen tragen oftmals die Beschäftigten, obwohl sie auf die Dauer der Kontrollen keinerlei Einfluss haben.

Aus unserer Sicht liegen die Ursachen auf der Hand. Im Zuge der Einführung der ETD-Technik wurde die Personalstärke an den Personal- und Warenkontrollen reduziert. Während früher regelmäßig vier Beschäftigte pro Kontrollstelle eingesetzt wurden, arbeiten dort heute nur noch drei Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Luftsicherheitskontrollen stetig gestiegen.

Die Folgen dieser Personalpolitik sind inzwischen deutlich sichtbar. Die Klüh-Beschäftigten in den Kontrollstellen berichten über eine erhebliche Arbeitsverdichtung. Weniger Personal muss die gleiche oder teilweise sogar höhere Arbeitsmenge bewältigen. Das führt zu dauerhaftem Druck, steigender Belastung und erschwert die konzentrierte Durchführung einer sicherheitsrelevanten Tätigkeit. Gleichzeitig entstehen für die Beschäftigten, die die Kontrollstellen passieren müssen, immer wieder Verzögerungen und lange Wartezeiten.

Als Gewerkschaft ver.di haben wir deshalb das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Nordrhein-Westfalen auf die Situation aufmerksam gemacht und auch deutlich gemacht, dass aus unserer Sicht nicht die Beschäftigten das Problem sind, sondern eine Personalausstattung, die seit Jahren auf Kante genäht wird.

Ministerium erkennt die Probleme an – Konsequenzen bleiben jedoch aus!

Auf unsere Beschwerde hin hat das NRW-Ministerium ausführlich Stellung genommen. Positiv ist zunächst, dass die Probleme ausdrücklich nicht in Abrede gestellt werden. Das Ministerium würdigt die Arbeit der Beschäftigten in der Luftsicherheit, erkennt die geschilderten Belastungen an und bestätigt, dass die von uns beschriebenen Verzögerungen und Probleme gegenüber der Flughafenbetreiberin thematisiert wurden.

Wer allerdings auf konkrete Maßnahmen, eine Überprüfung des Personalschlüssels oder verbindliche Vorgaben für den Flughafen gehofft hatte, dürfte von der Antwort enttäuscht sein.

Bei genauer Betrachtung lässt sich die Antwort bzw. Stellungnahme des Ministeriums auf eine einfache Botschaft reduzieren:

Ja, die Probleme werden gesehen.
Ja, die Hinweise werden ernst genommen.
Ja, der Flughafen wurde auf die Situation angesprochen.

Konkrete Konsequenzen werden daraus derzeit jedoch nicht gezogen.

Das Ministerium verweist darauf, dass seine Aufgabe im Wesentlichen darin bestehe, die Einhaltung der Vorgaben des Luftsicherheitsgesetzes zu überwachen. Arbeitsbedingungen, Personalstärken und organisatorische Fragen würden dagegen überwiegend in die Verantwortung des Flughafenbetreibers fallen.

Zudem verweist das Ministerium darauf, dass die in der Vergangenheit vorgenommene Personalreduzierung in der Personal- und Warenkontrolle (PWK) im Zusammenhang mit der Einführung der ETD-Technik bei früheren Audits und Inspektionen nicht beanstandet worden sei. Obwohl die aktuellen Probleme anerkannt werden, sieht die Behörde daher derzeit keinen Anlass für konkrete aufsichtsrechtliche Maßnahmen oder Vorgaben hinsichtlich der Personalbesetzung.

Aus unserer gewerkschaftlichen Sicht ist diese Antwort deshalb vor allem als Kenntnisnahme und Zuständigkeitsabgrenzung zu verstehen. Das Ministerium erkennt die geschilderten Belastungen an, kündigt aber weder eine eigene Überprüfung des Personalschlüssels noch konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation an.

Verantwortungs-Pingpong auf dem Rücken der Beschäftigten!

Genau an diesem Punkt beginnt aus unserer Sicht das eigentliche Problem.

Seit Monaten erleben die Beschäftigten ein regelrechtes Verantwortungs-Pingpong:

Die Beschäftigten und der Betriebsrat weisen auf die Missstände hin.

Der Sicherheitsdienstleister Klüh verweist auf die Vorgaben des Flughafens.

Der Flughafenbetreiber verweist auf organisatorische Abläufe.

Das Ministerium verweist auf seine begrenzten Zuständigkeiten.

Am Ende fühlt sich wie immer niemand wirklich verantwortlich.

Für unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort spielt es jedoch keine Rolle, welcher Akteur gerade zuständig sein möchte und welcher nicht. Die Belastung bleibt dieselbe. Die Warteschlangen bleiben dieselben. Der Druck auf die Beschäftigten bleibt derselbe.

Deshalb entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Verantwortung immer wieder über Bande gespielt wird. Jeder verweist auf den anderen. Eine dauerhafte Lösung wird dagegen nicht geschaffen.

Die wichtigste Botschaft – es gibt seit heute eine neue Personalbesetzung in der PWK

Inzwischen haben wir die Information erhalten, dass der Flughafenbetreiber als Reaktion auf unsere Kritik ab heute zusätzliche Kräfte für die Personal- und Warenkontrollen (PWK) von der Firma Klüh Security angefordert hat. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Kritik von Beschäftigten, Betriebsräten und von uns als ver.di endlich zu einer Kehrtwende geführt hat.

Ein genauer Blick auf die nun bekannt gewordene Planung zeigt jedoch ein anderes Bild.

Zwar sollen zu bestimmten Stoßzeiten wieder vier Beschäftigte in der PWK eingesetzt werden. Damit bestätigt der Flughafenbetreiber letztlich selbst, dass die bisherige Besetzung mit drei Beschäftigten den tatsächlichen Anforderungen offenbar nicht gerecht wird.

Andernfalls wäre eine personelle Aufstockung nicht erforderlich gewesen.

Die jetzt vorgenommene Anpassung bestätigt damit letztlich genau das, worauf Beschäftigte, Betriebsrat und wir als ver.di seit langer Zeit hingewiesen haben: Die bisherige Personalbemessung war den tatsächlichen Anforderungen nicht mehr ausreichend gewachsen.

Genau darauf weisen wir als ver.di und der Betriebsrat seit Jahren hin.

Anstatt jedoch dauerhaft zur früheren Personalstärke zurückzukehren, werden die zusätzlich eingesetzten Personalstunden im weiteren Tagesverlauf an anderer Stelle wieder eingespart.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass es nicht einmal bei der bisherigen Besetzung von drei Beschäftigten bleibt.

Nach den uns vorliegenden Planungen endet die Besetzung einer Kraft ab heute bereits um 18:00 Uhr an der PWK A sowie um 19:00 Uhr an den PWK B und C. Während dort bislang regelmäßig drei Beschäftigte eingesetzt waren, sollen die Kontrollen in den Abendstunden anschließend nur noch mit zwei Beschäftigten fortgeführt werden.

Die bisherige Personalstärke wird damit nicht nur zeitweise ergänzt, sondern später sogar nochmals reduziert. Aus drei Beschäftigten werden ab 18 Uhr nur zwei. Die Arbeit wird dadurch in den Abendstunden nicht erleichtert, sondern weiter verdichtet.

Mit anderen Worten:

Vorne wird etwas hinzugegeben.

Hinten wird wieder weggenommen – also am Tagesende sogar noch weiter gekürzt.

Das Problem wird dadurch nicht dauerhaft gelöst. Vielmehr werden Belastungen und Personalengpässe lediglich in andere Tageszeiten verlagert.

Mehr Personal – aber nur so viel wie unbedingt nötig?

Besonders aufschlussreich sind die konkreten Einsatzzeiten der zusätzlich eingesetzten Kräfte.

So soll beispielsweise an der PWK A von 05:00 Uhr bis 09:00 Uhr mit vier Beschäftigten gearbeitet werden. Anschließend entfällt die vierte Kraft für eine Stunde, bevor von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr erneut vier Beschäftigte eingesetzt werden.

Deutlicher lässt sich kaum darstellen, wie präzise zusätzliche Personalstunden kalkuliert werden.

Wer Personalplanung im Stundentakt hoch- und herunterfährt, verfolgt offensichtlich nicht das Ziel einer dauerhaft auskömmlichen Personalbesetzung. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass zusätzliche Personalstunden nur insoweit bereitgestellt werden, wie dies unbedingt erforderlich erscheint.

Die Botschaft lautet offenbar:

Man will auf unsere Kritik reagieren – jedoch ohne die grundsätzliche Personalfrage dauerhaft zu lösen.

Genau diese Denkweise kritisieren wir gemeinsam mit dem Betriebsrat seit Jahren. Luftsicherheit ist keine gewöhnliche Dienstleistung. Sie ist ein hochsensibler Bereich mit enormer Verantwortung für Beschäftigte und Öffentlichkeit. Wer Sicherheit ernst nimmt, darf Personalplanung nicht ausschließlich unter Kostengesichtspunkten betrachten.

Was passiert eigentlich ab 18 oder 19 Uhr in der PWK?

Besonders kritisch sehen wir die Situation in den Abendstunden.

Denn mit dem „früheren Dienstende“ der dritten Kraft ab 18 Uhr verschärft sich die Personalsituation erneut erheblich. Dann arbeiten an den Kontrollstellen nur noch zwei Beschäftigte bis zum Dienstende anstatt wie aktuell drei.

Das wirft eine ganz praktische Frage auf:

Was passiert eigentlich, wenn eine der beiden verbliebenen Kontrollkräfte eine Pause benötigt, kurzfristig ausfällt oder die Kontrollstelle verlassen muss?

Bereits alltägliche Situationen wie Pausen, kurzfristige Abwesenheiten oder ein notwendiger Toilettengang können dazu führen, dass die Personal- und Warenkontrolle zeitweise nicht mehr ordnungsgemäß betrieben werden kann. Mit nur einer Kontrollkraft kann eine Personal- und Warenkontrolle aus Sicherheitsgründen nicht aufrechterhalten werden.

Schon diese einfache und alltägliche Situation verdeutlicht, wie knapp die Personalplanung am Flughafen Düsseldorf inzwischen geworden ist.

Während offiziell von Entlastung gesprochen wird, wird die Arbeit in den Abendstunden erneut weiter verdichtet. Von einer nachhaltigen Verbesserung kann deshalb keine Rede sein.

Unsere Forderung bleibt unverändert!

Die jetzt angekündigten Änderungen bestätigen letztlich genau das, worauf wir als ver.di und der Betriebsrat seit langer Zeit hinweisen.

Der Flughafen Düsseldorf weiß, dass Handlungsbedarf besteht. Andernfalls wäre die Personalstärke nicht zeitweise von drei auf vier Beschäftigte angepasst worden.

Statt die frühere Personalstärke von vier Beschäftigten pro Kontrollstelle jedoch dauerhaft wiederherzustellen, wird lediglich punktuell nachgesteuert und gleichzeitig an anderer Stelle erneut Personal eingespart.

Das lehnen wir entschieden ab.

Die Beschäftigten brauchen keine kosmetischen Korrekturen und keine kurzfristigen Notlösungen für einzelne Stoßzeiten. Sie brauchen dauerhaft vernünftige Arbeitsbedingungen.

Deshalb fordern wir als Gewerkschaft ver.di gemeinsam mit dem Betriebsrat vom Flughafenbetreiber weiterhin eine durchgehende und dauerhafte Besetzung der Personal- und Warenkontrollen mit mindestens vier Beschäftigten pro Kontrollstelle – so, wie es vor den Personalkürzungen über viele Jahre praktiziert wurde.

Wer täglich Verantwortung für die Sicherheit eines internationalen Flughafens trägt, hat Anspruch auf ausreichend Personal, verlässliche Abläufe und Arbeitsbedingungen, die nicht permanent an der Belastungsgrenze organisiert werden.

An der Sicherheit und an den Menschen, die sie jeden Tag gewährleisten, darf nicht gespart werden.