Flughafen Köln/Bonn: Flughafenbetreiber nimmt Beschäftigte und Fluggäste in Geiselhaft!

Özay Tarim

von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär

Flughafen Köln/Bonn nimmt Beschäftigte und Fluggäste in Geiselhaft!

Sicherheitschaos durch unausgereifte Technik!

Was sich heute (13.02.2026) am Flughafen Köln/Bonn abgespielt hat, ist kein bedauerlicher Einzelfall. Es ist die direkte Folge eines riskanten Kurses, vor dem wir als Gewerkschaft ver.di seit Monaten warnen.

Gegen 06:30 Uhr kam es nach den uns vorliegenden Informationen an einer neuen CT-Kontrollanlage zu einem schwerwiegenden Vorfall. Ein vom Luftsicherheitskontrollpersonal am Monitor als auffällig markiertes Handgepäckstück wurde von der neuen CT-Anlage nicht zur Nachkontrollposition weitergeleitet, sondern direkt an den Fluggast ausgegeben. Der wachsame Sicherheitsmitarbeiter erkannte den Fehler, meldete ihn sofort und schlug Alarm.

Daraufhin sperrte die Bundespolizei die Kontrollbereiche im Terminal 1. Der Sicherheitsprozess musste gestoppt und der Sicherheitsbereich geräumt werden. Erst nach stundenlanger Unterbrechung der Sicherheitskontrollen konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Die Folgen waren gravierend: lange Wartezeiten und Warteschlangen, verpasste Flüge, massive Belastung für die Luftsicherheitsfachkräfte und großer Frust bei den Passagieren.

Das Frankfurter Modell – auch „Neue Welt“ genannt – als Irrweg!

Hintergrund dieses Desasters ist das sogenannte „Frankfurter Modell – Neue Welt“. Dabei wurde die Organisation der Fluggastkontrollen vom Staat auf den Flughafenbetreiber übertragen.

Vorher lag diese Verantwortung beim Bundesinnenministerium und der Bundespolizei. Damit war sichergestellt, dass diese hoheitliche Aufgabe (Fluggastkontrollen) unter staatlicher Kontrolle stand. Heute entscheidet der Flughafenbetreiber über Technik, Abläufe und Personalbedarf.

Diese Verlagerung der Verantwortung hat sich aus unserer Sicht als Irrweg erwiesen.

Neue Technik und Personalabbau!

Mit der Einführung der neuen CT-Technik wurde gleichzeitig festgelegt, dass künftig deutlich weniger Personal beim Sicherheitsdienstleister Securitas angefordert und in der Fluggastkontrolle eingesetzt werden soll. Securitas informierte die Belegschaft bereits im Herbst 2025 über die drastischen Kürzungen bei der Personalanforderung durch den Flughafenbetreiber und damit auch über den geplanten Stellenabbau im eigenen Betrieb am Flughafen Köln/Bonn.

Unsere Haltung ist von Anfang an klar: Wir sind nicht gegen moderne Technik, die das Personal unterstützen kann, aber nicht verdrängen darf. Fluggastkontrollen sind eine Antiterror-Maßnahme. Sicherheit entsteht durch qualifizierte Menschen, nicht durch Einsparungen.

Abbau ohne Sicherheitsnetz!

Am Flughafen Köln/Bonn gab es bisher in der Fluggastkontrolle 18 Kontrollstrecken. Zehn davon wurden bisher im laufenden Betrieb abgebaut. Übrig blieben nur noch acht alte Anlagen. Parallel dazu wurden seit gestern (08:30 Uhr) drei neue CT-Anlagen in Betrieb genommen, obwohl es bereits beim Testlauf technische Probleme gab.

Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll gewesen, zunächst nur ein bis zwei neue CT-Anlagen parallel zu den bisherigen Kontrollgeräten im Echtbetrieb mitlaufen zu lassen und unter Hochlast zu testen. Einen belastbaren Plan B des Flughafenbetreibers konnten wir heute nicht erkennen.

Technikversagen der neuen CT-Anlagen nach weniger als 24 Stunden im Echtbetrieb!

Schon nach weniger als einem Tag im Echtbetrieb kam es zum ersten schweren Sicherheitsmangel. Die neuen Anlagen mussten außer Betrieb genommen werden. Alle Fluggäste wurden wieder über die verbliebenen acht alten Kontrollstrecken abgefertigt.

Das führte zu massiven Wartezeiten und extremer Überlastung. Ein weiterer Inbetriebnahmeversuch am Nachmittag scheiterte erneut. Die neuen CT-Anlagen wurden wieder abgeschaltet.

Damit ist aus unserer Sicht klar: Die neue Technik war nicht ausreichend erprobt und für den Echtbetrieb nicht einsatzreif.

Beschäftigte unter extremem Druck!

Die Beschäftigten mussten heute unter höchstem Druck arbeiten. Hohe Passagierzahlen, technische Ausfälle und verärgerte Reisende trafen gleichzeitig aufeinander. Trotzdem mussten sie jederzeit konzentriert arbeiten und für die Sicherheit sorgen.

Dieser Dauerstress ist gesundheitlich belastend und fachlich unverantwortlich!

Sanktionen für Beschäftigte – keine für den Flughafenbetreiber?

Wenn Beschäftigte einen Fehler machen, drohen oft  arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Ausschluss vom Einsatz in der Luftsicherheitskontrolle. Das ist bekannt und leider gelebte Praxis.

Heute aber hat nicht der Mensch versagt. Heute hat das System versagt.

Verantwortlich dafür ist der Flughafenbetreiber, der unausgereifte Technik ohne aus unserer Sicht ausreichende Tests in Betrieb genommen hat. Die Frage ist: Wo bleibt hier die Konsequenz?

Ein einfaches „Das tut uns leid“ reicht nicht aus. Wer solche Risiken eingeht, muss Verantwortung übernehmen, auch gegenüber den Fluggästen, die heute Zeit, Geld und Nerven verloren haben.

Noch weniger Personal und falsche Zukunftspläne!

Besonders besorgniserregend ist der Blick nach vorn. An den neuen CT-Anlagen sollen eigentlich acht bis neun Beschäftigte eingesetzt werden. Das ist notwendig für sichere Abläufe.

Doch intern wird bereits über eine Mindestbesetzung von nur fünf Kräften gesprochen. Gleichzeitig gibt es Überlegungen, den Monitorarbeitsplatz aus der CT-Anlage herauszulösen und in einen separaten Raum zu verlegen.

Das wäre ein schwerer Fehler und darf nicht umgesetzt werden!

Der heutige Vorfall zeigt deutlich, warum: Nur weil ein wachsamer Beschäftigter an der Monitorkontrollposition vor Ort direkt mit der Nachkontrollkraft kommunizieren konnte, wurde der Fehler erkannt. Wäre er räumlich getrennt gewesen, hätte das Gepäckstück möglicherweise unbemerkt den Sicherheitsbereich verlassen.

Kurze Wege und direkte Kommunikation sind unverzichtbar für die Luftsicherheit!

Der Mensch hat funktioniert. Die Technik nicht.

Der heutige Tag beweist: Die Beschäftigten haben professionell gehandelt. Sie haben Verantwortung übernommen und richtig reagiert. Die Technik hingegen hat versagt.

Sicherheit entsteht nicht durch neue technische Geräte allein. Sie entsteht durch Menschen, die gut ausgebildet sind, ausreichend vorhanden sind und unter vernünftigen Bedingungen arbeiten.

Unsere Haltung bleibt klar!

Was hier betrieben wird, ist aus unserer Sicht kein Fortschritt, sondern ein Kostensenkungsprogramm auf Kosten von Sicherheit und Beschäftigten.

Wir fordern den sofortigen Stopp des Personalabbaus, eine ausreichende Besetzung aller Kontrollanlagen, den Verzicht auf Minimalbesetzungen, keine Auslagerung von Monitorarbeitsplätzen und erst dann den Regelbetrieb, wenn die Technik im Echtbetrieb zuverlässig funktioniert.

Luftsicherheit ist eine staatliche Kernaufgabe. Sie darf nicht dem Sparzwang geopfert werden.

Der heutige Tag zeigt: Dieser Kurs in der Luftsicherheitsbranche ist ein Irrweg!

Wir werden weiter öffentlich darauf hinweisen und uns für sichere Arbeitsbedingungen, ausreichend Personal und echte Verantwortung einsetzen.

Luftsicherheit braucht Verlässlichkeit – für die Fluggäste und für die Luftsicherheitsfachkräfte, die diesen Job tagtäglich unter schwierigen Bedingungen leisten!