![]()
von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär
BDLS Mitgliedsunternehmen Securitas Aviation Service GmbH & Co. KG
Flughafen Köln/Bonn: “Frankfurter Modell – Neue Welt“ in der Fluggastkontrolle!
Geht es hier noch um Luftsicherheit oder ist es ein Kostensenkungsprogramm?
”Frankfurter-Modell – Neue Welt” am Flughafen Köln/Bonn: Sicherheitsfirma Securitas kündigt einen Personalabbau in der Fluggastkontrolle an! Dieser Irrweg muss sofort gestoppt werden!
Einordnung: Der Flughafenbetreiber übernimmt die Steuerung und Organisation in der Passagier- und Gepäckkontrolle von der Bundespolizei – doch was bedeutet das?
Seit dem 01.01.2025 hat der Flughafenbetreiber in Köln/Bonn die Verantwortung für die Steuerung und Organisation der Fluggastkontrollen übernommen – ein Schritt, der öffentlich als Teil des sogenannten „Frankfurter Modells“ bzw. der „Neuen Welt“ in der Luftsicherheit präsentiert wird. Mehr Verantwortung, mehr Qualität, mehr Sicherheit: So lautet die Erzählung. In diesem Jahr erfolgte erstmals auch die öffentliche Ausschreibung des Auftrags für die Durchführung der Fluggastkontrollen durch den Flughafenbetreiber selbst (Auftragsbeginn ab 01.01.2026) – und nicht mehr wie bisher durch das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums. Den Zuschlag erhielt erneut die Sicherheitsfirma Securitas, der bisherige Dienstleister. Doch die zuletzt veröffentlichten Informationen lassen aufhorchen.
Neue Technik, weniger Personalanforderungen – und ein angekündigter Personalabbau
Eine Mitarbeiterinformation von Securitas vom 31.10.2025 offenbart, dass der Flughafenbetreiber umfangreiche strukturelle Anpassungen plant und neue technische Systeme einsetzen möchte, die den Durchsatz von Fluggästen pro Kontrollspur erhöhen und Kosten reduzieren sollen. Die Konsequenz: Der Flughafenbetreiber kündigt an, künftig weniger Personalvolumen anzufordern. Die Sicherheitsfirma Securitas spricht jetzt deshalb von einem „unumgänglichen Personalabbau“. Damit wird deutlich, dass die „Neue Welt“ nicht zu besseren Arbeitsbedingungen führt, sondern zu weniger Personal und mehr Druck auf die Beschäftigten.
Unsicherheit für Beschäftigte – Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt
Bis heute hat Securitas keine konkreten Informationen vorgelegt: Wie viele Stellen wegfallen sollen, welche Bereiche betroffen sind, wann der Abbau beginnen soll oder ob es Alternativen gibt. Die Beschäftigten werden mit ihrer Unsicherheit allein gelassen – eine unhaltbare Situation für Menschen, die eine hoheitliche Sicherheitsaufgabe erfüllen. Angst um den Arbeitsplatz beeinträchtigt Konzentration und Leistungsfähigkeit. Verantwortungsvolle Luftsicherheit ist unter solchen Bedingungen nicht möglich. Hoheitliche Aufgaben dürfen nicht zum Spielball privater Kostensenkungsstrategien werden. Die Beschäftigten dürfen nicht länger im Unklaren gelassen werden.
Operative Steuerung der Sicherheitskontrollen ohne Personalverantwortung – keine echte Verantwortungsübernahme
Obwohl der Flughafen Köln/Bonn seit 2025 die operative Steuerung der Fluggastkontrollen innehat, verbleibt die Personalverantwortung weiterhin vollständig bei der privaten Sicherheitsfirma. Dieses System schafft einen dauerhaften Kostendruck, der sich direkt auf die Beschäftigten überträgt. Wer tatsächlich Verantwortung übernehmen will, muss mehr tun, als nur Technik anzuschaffen und Prozesse zu steuern. Echte Verantwortung für uns bedeutet die Übernahme der Beschäftigten in den öffentlichen Dienst.
Wir fordern den Flughafenbetreiber und die Sicherheitsfirma Securitas deshalb auf, die geplanten Personalabbau-Maßnahmen umgehend zu stoppen und den Beschäftigten Arbeitsplatzsicherheit zu garantieren.
Am Flughafen Köln/Bonn wird immer wieder so getan, als könne Technik die Probleme an der Sicherheitskontrolle lösen. Doch die Realität spricht eine andere Sprache: Ohne ausreichend Personal funktioniert dort gar nichts. Scanner blinken, Maschinen surren – aber die Warteschlangen bewegen sich zu Stoßzeiten kaum. Am Ende sind es Menschen, die für Sicherheit sorgen, nicht nur Geräte. Und solange dieser einfache Fakt ignoriert wird, zahlen Passagiere und Beschäftigte den Preis. Schon jetzt kommt es mit dem vorhandenen Personal ständig zu Problemen und Verzögerungen. Wie soll das erst aussehen, wenn tatsächlich noch weiter Personal abgebaut wird? Die Lage ist jetzt schon angespannt – jeder zusätzliche Einschnitt treibt das System unweigerlich an seine Grenzen.
Hoheitliche Aufgabe gehört in öffentliche Hand – mit den bestehenden Fachkräften
Die Fluggastkontrolle ist eine hoheitliche Aufgabe, die in öffentlicher Hand liegen muss – nicht nur in ihrer Steuerung, sondern auch in ihrer Durchführung. Unsere Forderung in NRW ist klar: Die bestehenden, qualifizierten und langjährig erfahrenen Luftsicherheitsfachkräfte müssen in öffentliche Anstellung übernommen werden. Es geht nicht um neues Personal, sondern um den Schutz und die Wertschätzung der Menschen, die diese Aufgabe seit Jahren zuverlässig erfüllen.
Die “Neue Welt“ in der Luftsicherheit – Modernisierung oder Mogelpackung?
Bereits im vergangenen Jahr haben wir das “Frankfurter Modell” bzw. die “Neue Welt“ kritisch bewertet – und genau dieses System etabliert sich nun am Flughafen Köln/Bonn. Der Flughafenbetreiber stellt sich nach außen als verantwortlicher Akteur dar, tatsächlich übernimmt er jedoch nur organisatorische Verantwortung, ohne die Beschäftigten selbst zu übernehmen. Der Kostendruck wird an private Dienstleister weitergereicht, die wiederum Personalabbau ankündigen. Das Ergebnis ist eine Kostensenkung, die als Modernisierung verkauft wird, während das Personal dafür bezahlt.
Eine echte Lösung: Die Rückübertragung der hoheitlichen Luftsicherheitsaufgabe in die öffentliche Hand
Wenn der Flughafen Köln/Bonn wirklich Verantwortung übernehmen will, kommt er an der Übernahme der bestehenden Beschäftigten in die öffentliche Hand nicht vorbei. Nur so kann die Luftsicherheit langfristig gewährleistet werden – mit guten Arbeitsbedingungen, angemessener Personalstärke und echter Wertschätzung für die Luftsicherheitsfachkräfte. Alles andere bleibt ein Weiterreichen von Verantwortung und ein Fehlweg, der die Probleme verschärft.
Die hoheitliche Luftsicherheitsaufgabe muss dringend zuverlässig organisiert werden – und darf nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.
„Die hoheitliche Luftsicherheitsaufgabe braucht eine echte neue Welt – jetzt!“
