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von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär
Wirtschaftsflügel der CDU schwadroniert über Lifestyle-Teilzeit!
„Lifestyle-Teilzeit“ – Eine respektlose Verharmlosung harter Arbeitsrealität!
Von wegen „Lifestyle-Teilzeit” – Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten in der Luftsicherheitsbranche!
In den vergangenen Tagen hat der Wirtschaftsflügel der CDU eine Debatte angestoßen, die viele Beschäftigte in der Luftsicherheitsbranche mit Unverständnis und Wut verfolgen.
Unter dem Schlagwort „Lifestyle-Teilzeit“ wurde der Eindruck erweckt, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden sich bewusst und aus Bequemlichkeit gegen Vollzeitarbeit entscheiden. Auch wenn dieser Begriff im Antrag für den CDU-Parteitag (20. und 21. Februar 2026) inzwischen ersetzt wurde und nun von einer „Neuordnung von Teilzeitansprüchen“ gesprochen wird, bleibt die politische Richtung unverändert: Das Recht auf Teilzeit soll eingeschränkt werden!
Für die Beschäftigten an den Verkehrsflughäfen ist diese Debatte vollkommen realitätsfern. In der Luftsicherheitsbranche (im Bereich der Fluggastkontrollen) ist Teilzeit bei der Einstellung keine freiwillige Entscheidung der Beschäftigten, sondern Teil eines Systems, das gezielt Unsicherheit erzeugt und langfristige Perspektiven verhindert.
Einstellungspraxis: Teilzeit und sachgrundlose Befristung als Standard!
Wer sich heute in der Luftsicherheitsbranche bewirbt, muss in vielen Fällen von Anfang an mit zwei Dingen rechnen: einem Teilzeitarbeitsvertrag und einer sachgrundlosen Befristung. In Nordrhein-Westfalen ist diese Praxis an mehreren Flughäfen gang und gäbe. Neue Beschäftigte in der Luftsicherheitsbranche (Fluggastkontrollen) werden ausschließlich unter diesen Bedingungen eingestellt.
Es geht dabei nicht um individuelle Wünsche der Kolleginnen und Kollegen, sondern um eine strukturierte Personalpolitik. Vollzeitstellen oder unbefristete Arbeitsverträge spielen bei Neueinstellungen keine Rolle! Stattdessen werden Menschen von Beginn an in ein unsicheres Beschäftigungsverhältnis gedrängt. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz wird hier aus unserer Sicht von den Sicherheitsfirmen missbraucht, um Beschäftigte austauschbar zu halten. Wer als Beschäftigter weiß, dass der eigene Vertrag bald endet, lebt in ständiger Abhängigkeit und vermeidet Kritik aus Angst vor dem nächsten Vertragsende.
Staatliche Verantwortung und politische Mitwirkung!
Diese Arbeitsbedingungen entstehen nicht zufällig. Die privaten Sicherheitsunternehmen arbeiten unter anderem im Auftrag des Staates. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Bundesministerium des Innern, das aktuell von Alexander Dobrindt (CDU/CSU) geführt wird. In Nordrhein-Westfalen kommen die Bezirksregierungen als weitere Vergabestellen für die Fluggastkontrollen an den Regionalflughäfen hinzu, unter einer ebenfalls CDU-geführten NRW-Landesregierung.
Der Staat und das Land tragen damit eine unmittelbare Verantwortung für diese Rahmenbedingungen. Öffentliche Aufträge werden an private Sicherheitsfirmen vergeben, die Neueinstellungen systematisch mit Teilzeit und sachgrundloser Befristung verbinden. Wer politisch, wie die CDU, über Arbeitsmoral spricht, muss sich fragen lassen, warum genau dieses System mit öffentlichen Mitteln gestützt und durch Vergabeentscheidungen abgesichert wird.
Flughafen Düsseldorf: Der „Drehtüreffekt“ als Geschäftsmodell bei der DSW!
Besonders deutlich zeigt sich dieses System bei der Firma Deutscher Schutz- und Wachdienst (DSW) am Flughafen Düsseldorf. Dort werden im Auftrag des Bundesinnenministeriums hoheitliche Aufgaben, die Fluggastkontrollen, durchgeführt.
In den vergangenen drei Jahren wurden dort über 600 Luftsicherheitsfachkräfte nach Ablauf ihrer sachgrundlosen Befristung vor die Tür gesetzt. Gleichzeitig befinden sich aktuell rund 350 Beschäftigte in sachgrundlos befristeten Arbeitsverhältnissen und wissen nicht, ob sie in absehbarer Zeit noch einen Arbeitsplatz haben werden. Während qualifizierte Kolleginnen und Kollegen gehen müssen, wird kontinuierlich neues Personal angeworben, erneut ausschließlich in Teilzeit und erneut sachgrundlos befristet.
Dieser dauerhafte Drehtüreffekt entwertet Erfahrung, Know-how und Engagement der Beschäftigten und macht Austauschbarkeit zum Prinzip. Düsseldorf ist dabei nur das sichtbarste Beispiel dieser Praxis.
Öffentliche Förderung eines unsicheren Systems!
Zusätzlich wird dieses Modell durch öffentliche Mittel subventioniert. Die Qualifizierung neuer Kräfte, wie bei der DSW am Flughafen Düsseldorf, wird unter anderem über Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit finanziert. Pro Person entstehen dabei Kosten von rund 7.000 Euro.
So fließen Beiträge der Versicherten und Steuergelder in ein System, das darauf basiert, Menschen nach zwei Jahren (Gesamtdauer der sachgrundlosen Befristung) wieder in die Arbeitslosigkeit zu schicken, um sie anschließend durch die nächsten geförderten Kräfte zu ersetzen. Für die Sicherheitsfirmen ist dieses Karussell wirtschaftlich attraktiv. Für die Betroffenen bedeutet es eine dauerhafte Perspektivlosigkeit und eine Sackgasse im Berufsleben.
Die Widersprüche von der CDU auflösen!
Der Widerspruch ist offensichtlich. CDU ist über Bundes- und Landesebene Auftraggeber dieser privaten Sicherheitsunternehmen. Einerseits fordert die CDU öffentlich mehr Leistungsbereitschaft und Engagement von Beschäftigten, andererseits schafft sie durch ihre Vergabepraxis Arbeitsbedingungen, die langfristige Perspektiven und Vollzeitbeschäftigung erschweren.
Als Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di stellen wir klar: Das Problem ist nicht das Recht auf Teilzeit. Dieses ist für viele Beschäftigte essenziell, um Familie, Pflege und Gesundheit mit dem Beruf zu vereinbaren. Das Problem ist aus unserer Sicht der Missbrauch von Teilzeit und sachgrundloser Befristung durch die Dienstleister des Staates.
Sicherheit braucht Verlässlichkeit!
Wer täglich für die Sicherheit von Millionen Reisenden verantwortlich ist, verdient selbst Sicherheit im Beruf. Niemand sollte dauerhaft mit der Angst vor dem nächsten Vertragsende leben müssen. Niemand sollte von Beginn an in ein System gedrängt werden, das Unsicherheit zum Normalzustand macht.
Wir fordern ein Ende der Diffamierung der Beschäftigten, ein Ende des Drehtüreffekts aus Teilzeit und sachgrundloser Befristung sowie klare soziale Kriterien bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Öffentliche Gelder dürfen nicht länger ein Geschäftsmodell finanzieren, das auf Austauschbarkeit und Unsicherheit beruht.
Wir fordern Sicherheit und Respekt für diejenigen, die tagtäglich für unsere Sicherheit an den Verkehrsflughäfen sorgen!
Hey CDU: Schluss mit dem „Lifestyle” privater Sicherheitsunternehmen unter staatlicher Flagge auf Kosten der Beschäftigten!
