![]()
von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär
15. Luftsicherheitstage in Berlin – Veranstalter Bundespolizei und Arbeitgeberverband BDLS
Immer höhere Anforderungen in der Luftsicherheitsbranche – aber die Beschäftigten an der Basis kommen nicht zu Wort!
Luftsicherheitstage in Berlin: „Wir bringen Fachleute und Unternehmen zusammen, um Wissen auszutauschen und die neuesten Trends im Bereich der Luftsicherheit zu entdecken“ – so beschreiben die Veranstalter den Anspruch der Luftsicherheitstage in Berlin.
Auffällig ist jedoch: Die eigentlichen Fachleute – das Luftsicherheitskontrollpersonal an den Kontrollstellen – stehen nicht auf der Tagesordnung und werden nicht in die Diskussionen einbezogen.
Die Realität an den NRW-Flughäfen sieht für die Beschäftigten wie folgt aus: enormer Prüfungsdruck bei unzureichender Vorbereitung auf die Re-Zertifizierung, technische Probleme an den Kontrollstrecken und eine zunehmend unsichere Personalpolitik prägen den Alltag der Luftsicherheitsfachkräfte.
Gastgeber der 15. Luftsicherheitstage sind der Arbeitgeberverband BDLS und die Bundespolizei. Vertreter beider Seiten, des Bundesinnenministeriums sowie der Flughafenbetreiber und privaten Sicherheitsunternehmen kommen heute und morgen (18. und 19. März 2026) in Berlin zusammen. Auch aktuelle Entwicklungen an einzelnen Standorten – etwa am Flughafen Köln/Bonn – stehen auf der Tagesordnung. Doch ausgerechnet die Perspektive des Luftsicherheitskontrollpersonals, das die Folgen dieser Entwicklungen täglich an den Kontrollstellen trägt, bleibt weitgehend außen vor.
Für uns als ver.di NRW ist klar: Über Luftsicherheit kann man nicht sprechen, ohne die Arbeitsbedingungen derjenigen einzubeziehen, die sie unter hohem persönlichem Einsatz gewährleisten.
Re-Zertifizierung: Hohe Anforderungen, unzureichende Vorbereitung
Ein Thema, das die Kolleginnen und Kollegen derzeit massiv belastet, ist die EU-weit vorgeschriebene neue Re-Zertifizierung im Dreijahresrhythmus. Hohe Qualitätsstandards sind richtig und wichtig – doch die Kluft zwischen Anspruch und Realität wächst weiter.
Die fachlichen Anforderungen wurden kontinuierlich erhöht, ohne dass die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Qualifizierung an den Flughäfen verbessert wurden. Schulungsmaßnahmen der privaten Sicherheitsunternehmen sind häufig unzureichend, um auf die komplexen Anforderungen und Prüfungen vorzubereiten.
Die Folge: eine besorgniserregend hohe Durchfallquote seit Jahresbeginn. Für uns ist klar: Das ist kein Versagen der Beschäftigten, sondern das Ergebnis mangelhafter Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen der Arbeitgeber. Es ist nicht akzeptabel, dass die privaten Sicherheitsunternehmen hierfür nicht zur Verantwortung gezogen werden, während die Beschäftigten im schlimmsten Fall ihren Arbeitsplatz riskieren. Wer Professionalität fordert, muss konsequent und fortlaufend in die Qualifizierung der Beschäftigten investieren.
Besonders kritisch ist dabei: Schulungszeiten werden oft gekürzt oder ganz gestrichen, um akute Personallücken an den Kontrollstellen zu schließen. Notwendige Qualifizierung wird so dem kurzfristigen Personaldruck untergeordnet – mit direkten Folgen für die Prüfungsleistungen.
Flughafen Köln/Bonn: Personalabbau durch Verlagerung von Verantwortung
Am Flughafen Köln/Bonn zeigen sich die Folgen einer organisatorischen Neuausrichtung besonders deutlich. Im Zuge des sogenannten „Frankfurter Modells“ – auch „Neue Welt“ genannt – hat die Bundespolizei die Steuerung und Organisation der Kontrollen an den Flughafenbetreiber übertragen – offenbar mit dem Ziel, Kosten zu senken.
-
Technik statt Personal: Die Einführung neuer CT-Technik durch den Flughafenbetreiber soll den Personalbedarf in der Fluggastkontrolle deutlich reduzieren.
-
Störanfällige Einführung: In der Praxis erwies sich die neue CT-Technik zunächst als fehleranfällig. Die Folge waren extrem lange Warteschlangen bis hin zu Terminalräumungen.
-
Steigende Belastung: Gleichzeitig führt der geplante Personalabbau bei Securitas zu massiver Arbeitsverdichtung. Das Luftsicherheitskontrollpersonal muss technische Probleme kompensieren und steht zusätzlich im direkten Kontakt mit verärgerten Fluggästen.
Flughafen Düsseldorf: Unsicherheit durch den „Drehtüreffekt“
Am Flughafen Düsseldorf verfestigt sich eine Personalpolitik, die wir scharf kritisieren. Bei der beauftragten Sicherheitsfirma DSW (Deutscher Schutz- und Wachdienst) dominiert eine „Hire and Fire“-Mentalität:
Beschäftigte werden dort ausschließlich mit sachgrundlos befristeten Arbeitsverträgen und in Teilzeit eingestellt. In den vergangenen drei Jahren wurden über 600 erfahrene Kräfte nach Auslaufen ihrer Verträge nicht übernommen und vor die Tür gesetzt. Aktuell befinden sich etwa 400 weitere Luftsicherheitsfachkräfte in einer Befristungsfalle.
Gleichzeitig wird kontinuierlich neues Personal – häufig über öffentlich geförderte Bildungsgutscheine – qualifiziert. Dieser „Drehtüreffekt“ ist weder nachhaltig noch sicherheitsfördernd. Erfahrene Fachkräfte sind das Rückgrat der Luftsicherheit. Ein System permanenter Fluktuation schwächt genau diese Grundlage. Wir fordern die Bundespolizei auf, diesem Missbrauch der sachgrundlosen Befristung nicht länger tatenlos zuzusehen.
Unsere Forderung: Sicherheit braucht Verlässlichkeit
Luftsicherheit darf nicht länger als reines Kostenoptimierungsprojekt behandelt werden. Notwendig sind:
-
ein Ende des Missbrauchs systematischer Befristungen
-
eine echte Qualitätsoffensive und mehr Investitionen in die Ausbildung der Beschäftigten
-
eine Technikstrategie, die das Luftsicherheitskontrollpersonal unterstützt statt verdrängt
Sicherheit ist nur so stark wie die Menschen, die sie gewährleisten. Deshalb werden wir weiterhin Missstände benennen und für Arbeitsbedingungen kämpfen, die dieser Verantwortung gerecht werden.
Luftsicherheit braucht bessere Arbeitsbedingungen, mehr Qualifizierungen und Arbeitsplatzsicherheit!
