Flughafen Düsseldorf

Flughafen Düsseldorf: Bundespolizei ordnet Arbeitsverdichtung in der Fluggastkontrolle an!

Özay Tarim

von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär

Flughafen Düsseldorf: Bundespolizei ordnet Arbeitsverdichtung in der Fluggastkontrolle an!

Weniger Personal pro Kontrollstelle ist der falsche Weg. Luftsicherheit braucht Entlastung, keine weitere Überlastung.

Hey Bundespolizei: Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen von Luftsicherheitsfachkräften sind mit eurer Fehlentscheidung vorprogrammiert!

Seit dem 8. Juni 2026 soll am Flughafen Düsseldorf eine neue Vorgabe der Bundespolizei in der Fluggastkontrolle (Passagier- und Gepäckkontrollen – gemäß § 5 LuftSiG) umgesetzt werden. Nach unseren Informationen soll die Personalstärke in den Kontrollstellen reduziert werden. Dort, wo bisher in einer sogenannten Doppelspur im Normalfall zwölf Beschäftigte eingesetzt wurden, sollen offenbar nur noch maximal zehn Beschäftigte arbeiten.

Das ist nichts anderes als Arbeitsverdichtung.

Für uns als Gewerkschaft ver.di ist klar: Diese Maßnahme ist völlig inakzeptabel. Wer in der Luftsicherheit Verantwortung trägt, darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten sparen. Die Kolleginnen und Kollegen in der Fluggastkontrolle leisten eine hoch anspruchsvolle Arbeit. Sie müssen gefährliche Gegenstände erkennen, Abläufe sichern, Fluggäste kontrollieren, konzentriert bleiben und dabei dauerhaft unter hohem Druck arbeiten. Diese Tätigkeit verlangt höchste Aufmerksamkeit. Sie ist keine Fließbandarbeit, bei der man einfach zwei Personen herausnehmen kann und erwartet, dass der Rest das schon irgendwie auffängt.

Genau das passiert aber jetzt.

Die Bundespolizei ist für die hoheitliche Aufgabe der Fluggastkontrollen verantwortlich. Sie lässt aber diese Aufgabe am Flughafen Düsseldorf durch das private Sicherheitsunternehmen Deutscher Schutz- und Wachdienst (DSW) durchführen. Damit trägt die Bundespolizei auch Verantwortung für die Rahmenbedingungen, unter denen die Beschäftigten arbeiten müssen. Wenn die Bundespolizei nun anordnet oder zulässt, dass weniger qualifizierte Kräfte in einer Kontrollstelle eingesetzt werden, dann verschärft sie ein Problem, das seit Jahren bekannt ist.

Nach dem EU-Audit wäre mehr Personal nötig, nicht weniger!

Besonders unverständlich ist diese Maßnahme vor dem Hintergrund des EU-Audits im vergangenen Jahr. Damals wurden am Flughafen Düsseldorf erhebliche Defizite sichtbar. Die Folge waren verschärfte Kontrollvorgaben, intensivere Nachkontrollen und eine noch höhere Belastung für die Beschäftigten.

Für uns ist wichtig: Diese Defizite dürfen nicht den Beschäftigten angelastet werden. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten unter schwierigen Bedingungen auf hohem Niveau. Das Problem liegt nicht bei den Menschen an der Kontrollspur. Das Problem liegt in den Strukturen: zu wenig Personal, zu wenig Entlastung, hoher Zeitdruck, unzureichende Schulungsbedingungen und eine Personalpolitik, die seit Jahren eher Mangel verwaltet, statt Probleme zu lösen.

Wer nach einem solchen EU-Audit die Personalstärke in den Kontrollstellen reduziert, zieht aus den bekannten Problemen die völlig falsche Konsequenz.

Die richtige Antwort wäre: mehr qualifiziertes Personal, bessere Schulungen, verlässliche Erholungsphasen und ausreichend besetzte Kontrollspuren. Nicht weniger Personal pro Team.

Die Wannenrückführung ist keine Nebentätigkeit!

Auch die sogenannte Wannenrückführposition darf nicht kleingeredet werden. Diese Position ist Teil des Kontrollsystems. Sie hat eine wichtige Funktion im Ablauf der Kontrollstelle. Gleichzeitig ist sie für die Beschäftigten eine Position, auf der sie nach hochkonzentrierten Tätigkeiten etwas herunterfahren können, ohne aus dem Kontrollprozess herauszufallen.

Wenn Beschäftigte alle 20 Minuten rotieren, ist diese Entlastung im Ablauf wichtig. Sie dient nicht nur der Organisation, sondern auch der Konzentrationsfähigkeit und damit der Qualität der Kontrolle.

Wer diese Position streicht, zusammenlegt oder durch Hilfskräfte ersetzt, verdichtet die Arbeit der übrigen Luftsicherheitsfachkräfte zusätzlich. Das mag auf dem Papier nach Effizienz aussehen. In der Praxis bedeutet es mehr Druck, weniger Entlastung und ein höheres Risiko für Fehler. 

Auch der Betriebsarzt der Firma DSW sieht die Wannenrückführposition als wichtigen Bestandteil der Kontrollstelle. Da diese Position im Vergleich zu anderen Tätigkeiten in der Kontrollspur als weniger fordernd hinsichtlich Vigilanz- und Aufmerksamkeitsleistung wahrgenommen wird, empfiehlt auch der Betriebsarzt, die Wannenrückführung mit Luftsicherheitsfachkräften zu besetzen. Gerade deshalb darf diese Position nicht gestrichen, zusammengelegt oder aus dem qualifizierten Team herausgelöst werden.

Luftsicherheit funktioniert aber nicht durch Schönrechnen von Personalstärken.

Höherer Durchfluss mit weniger Personal? Das passt nicht zusammen!

Immer wieder wird über einen höheren Durchfluss von Fluggästen gesprochen. Natürlich sollen Fluggäste bei der Sicherheitskontrolle nicht unnötig lange warten. Aber wer mehr Fluggäste kontrollieren will, braucht mehr Kontrollspuren und ausreichend qualifiziertes Personal.

Was nicht funktioniert: Mit weniger Beschäftigten pro Kontrollstelle die gleiche oder sogar eine höhere Arbeitsmenge bewältigen zu wollen.

Das ist keine Lösung. Das ist Mangelverwaltung.

Wir erleben seit Jahren, dass in Ferienzeiten, bei höherem Fluggastaufkommen oder bei personellen Engpässen immer wieder zu den gleichen Mitteln gegriffen wird. Mal werden Hilfskräfte eingesetzt. Mal werden Positionen anders verteilt. Jetzt soll die Personalstärke in den Kontrollstellen reduziert werden. Immer geht es darum, ein strukturelles Personalproblem irgendwie zu überbrücken.

Aber Luftsicherheit darf nicht nach dem Prinzip „irgendwie wird es schon gehen“ organisiert werden.

Hire and Fire verschärft das Problem!

Dazu passt auch die Personalpolitik bei der DSW. Seit Jahren kritisieren wir, dass immer wieder neue Beschäftigte ausgebildet, geprüft und ausschließlich in Teilzeit und befristet eingestellt werden, während andere Kolleginnen und Kollegen nach Ablauf ihrer Befristung wieder den Flughafen verlassen müssen.

Allein in den vergangenen drei Jahren wurden nach unserer Kenntnis über 600 Beschäftigte befristet eingestellt und nach Befristungsende wieder von der DSW vor die Tür gesetzt. Gleichzeitig werden neue Kräfte (u.a. gefördert mit Bildungsgutscheinen) ausgebildet und durch die Bundespolizei geprüft.

Das Ergebnis ist ein Drehtüreffekt: Neue Kolleginnen und Kollegen kommen rein, andere gehen raus. Die Belegschaft wächst dadurch nicht in dem Maße, wie es notwendig wäre. Erfahrung geht verloren. Belastung bleibt. Der Personalmangel wird nicht gelöst, sondern immer wieder neu verwaltet.

Auch die Bundespolizei muss sich hier die Frage gefallen lassen: Wenn regelmäßig neue Luftsicherheitskräfte geprüft werden, warum führt das nicht zu einer spürbaren und dauerhaften Stärkung der Personaldecke? Warum wird ein System mitgetragen, in dem qualifizierte Kräfte ausgebildet, geprüft, befristet eingestellt und anschließend wieder aussortiert werden?

Wer mehr Kontrollspuren will, muss mehr Personal sichern. Nicht Personal abbauen, nicht Kontrollteams verkleinern und nicht den Druck auf die Beschäftigten erhöhen.

Bundespolizei schweigt, obwohl Gesprächsbedarf besteht!

Ich habe als zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär in dieser Woche mehrfach versucht, die Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf und in der Direktion in Sankt Augustin zu erreichen, um die Hintergründe dieser kurzfristigen Anordnung zu verstehen. Wir wollten wissen, warum ausgerechnet jetzt die Personalstärke in den Kontrollstellen reduziert werden soll. Wir wollten wissen, wie diese Entscheidung begründet wird. Wir wollten wissen, ob die gesundheitlichen Folgen für die Beschäftigten überhaupt berücksichtigt wurden.

Eine Rückmeldung blieb bislang aus.

Das ist nicht akzeptabel. Wenn eine Maßnahme so tief in die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten eingreift, muss sie transparent erklärt werden. Wer Verantwortung trägt, muss ansprechbar sein. Schweigen löst keine Probleme. Schweigen erhöht nur den Eindruck, dass über die Köpfe der Beschäftigten hinweg entschieden wird.

Beschäftigte sind nicht hilflos: Gefährdungsanzeigen nutzen!

Wir sagen den Beschäftigten ganz klar: Ihr seid dieser Situation nicht hilflos ausgeliefert und seid auch nicht allein!

Wenn sich durch die reduzierte Personalstärke eine höhere Belastung ergibt, wenn Erholungsphasen und Entlastung nicht ausreichen, wenn die Konzentrationsfähigkeit leidet oder wenn ihr den Eindruck habt, dass die Arbeitsbedingungen die Sicherheit und Gesundheit gefährden, dann dokumentiert das.

Ein wichtiger Punkt ist dabei auch die besondere Belastung der Kolleginnen in der Fluggastkontrolle. Da unsere Kolleginnen in den Kontrollteams häufig ohnehin in geringerer Zahl vertreten sind, kann eine reduzierte Personalstärke dazu führen, dass ihre Belastung noch weiter steigt und eine faire Rotation im Team zusätzlich erschwert wird.

Ein wichtiges Mittel ist die Gefährdungsanzeige beziehungsweise Überlastungsanzeige.

Nach § 16 Arbeitsschutzgesetz haben Beschäftigte dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Vorgesetzten jede von ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für Sicherheit und Gesundheit sowie Defekte an Schutzsystemen unverzüglich zu melden.

Genau darum geht es.

Eine Gefährdungsanzeige bedeutet nicht, dass die Arbeit eingestellt wird. Sie bedeutet auch nicht, dass Beschäftigte ihre Arbeit nicht mehr ordentlich machen wollen. Im Gegenteil: Eine Gefährdungsanzeige zeigt, dass Beschäftigte ihre Verantwortung ernst nehmen. Sie machen deutlich, dass sie weiterhin professionell arbeiten, aber die Arbeitsbedingungen so organisiert sind, dass Überlastung, Arbeitsverdichtung oder Gefährdungen entstehen können.

Foto aus dem Jahr 2017: Schon damals mussten die Beschäftigten die Missstände in der Fluggastkontrolle am Flughafen Düsseldorf dokumentieren!

Keine Angst vor Gefährdungsanzeigen!

Wir wollen den Beschäftigten ausdrücklich die Angst bzw. die Befürchtung nehmen. Eine Gefährdungs- oder Überlastungsanzeige darf nicht zu Nachteilen führen. Beschäftigte, die auf Gefahren oder Überlastung hinweisen, handeln verantwortungsvoll. Sie machen sichtbar, was im Arbeitsalltag sonst oft untergeht.

Wenn weniger Personal eingesetzt wird, wenn die Arbeit dadurch dichter wird, wenn Erholungsphasen fehlen oder wenn Beschäftigte dauerhaft unter Hochspannung arbeiten müssen, dann muss das dokumentiert werden.

Denn am Ende darf nicht der Eindruck entstehen, die Beschäftigten hätten die schwierigen Bedingungen einfach stillschweigend akzeptiert. Wer eine Gefährdungsanzeige schreibt, macht deutlich: Ich mache meine Arbeit sorgfältig. Aber ich weise darauf hin, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Und genau diese Arbeits- und Rahmenbedingungen liegen in der Verantwortung des Arbeitgebers und der Bundespolizei.

Unsere Forderung ist klar:

Wir fordern die Bundespolizei auf, die Reduzierung der Personalstärke in den Kontrollstellen zurückzunehmen.

Wir brauchen keine Diskussion über eine abgesenkte Mindestbesetzung. Wir brauchen ausreichend Personal im Normalbetrieb. Wenn eine Doppelspur bisher mit zwölf Beschäftigten besetzt wurde, dann darf das nicht auf maximal zehn reduziert werden. Die richtige Richtung ist nicht weniger Personal, sondern mehr Personal.

Unsere Forderungen sind klar:
  • Mehr qualifizierte Luftsicherheitsfachkräfte in den Kontrollstellen.
  • Mehr geöffnete Kontrollspuren bei gleichbleibend ausreichender Personalstärke.
  • Verlässliche Erholungsphasen für die Beschäftigten.
  • Bessere und ausreichende Schulungen mit genügend Zeit.
  • Schluss mit dem Drehtüreffekt durch sachgrundlose Befristungen.
  • Keine Verlagerung regulärer Tätigkeiten auf Hilfskräfte, wenn dadurch die Arbeit der Fachkräfte verdichtet wird.
  • Verbindliche Kommunikation der Bundespolizei mit den Betriebsratsmitgliedern und der Gewerkschaft ver.di.

Luftsicherheit darf keinem Kostensenkungsprogramm geopfert werden. Es geht um die Sicherheit der Fluggäste, um die Gesundheit der Beschäftigten und um die Qualität einer hoheitlichen Aufgabe.

Jetzt Missstände sichtbar machen!

Wir werden diese Entwicklung nicht hinnehmen. Wenn die Bundespolizei und die Firma DSW meinen, die Belastung weiter erhöhen zu können, ohne die Beschäftigten ernsthaft einzubeziehen, dann werden wir als Gewerkschaft ver.di gemeinsam mit den Betriebsräten und den Beschäftigten dagegenhalten.

Wir rufen die Beschäftigten auf: Achtet auf eure Gesundheit. Dokumentiert Überlastung. Sprecht mit euren Betriebsratsmitgliedern. Nutzt Gefährdungsanzeigen, wenn ihr feststellt, dass die Arbeitsbedingungen nicht mehr verantwortbar sind.

Als Gewerkschaft ver.di werden wir die Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen.

Denn klar ist: Die Beschäftigten in der Luftsicherheit sind nicht das Problem. Sie sind diejenigen, die jeden Tag dafür sorgen, dass der Flugbetrieb sicher bleibt.

Das Problem sind schlechte Rahmenbedingungen, zu wenig Personal und Entscheidungen, die den Druck weiter erhöhen.

Damit muss endlich Schluss sein.

Nicht weniger Kräfte in der Kontrollspur, sondern mehr Entlastung für die Beschäftigten.

Luftsicherheit braucht Verantwortung. Luftsicherheit braucht Fachkräfte. Luftsicherheit braucht gute Arbeitsbedingungen.