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von Özay Tarim ver.di Gewerkschaftssekretär
Flughafen Köln/Bonn: Erst Personalabbau verursacht – und jetzt Personalunterdeckung beklagen!
Flughafenbetreiber Köln/Bonn zeigt auf den Sicherheitsdienstleister Securitas – dabei muss er sich an die eigene Nase packen
Seit heute Morgen (15.09.2026) kommt es am Flughafen Köln/Bonn erneut zu erheblich langen Warteschlangen vor der Fluggastkontrolle. Und was macht der Flughafenbetreiber? Auf seiner Homepage verweist er auf eine „Personalunterdeckung beim Sicherheitsdienstleister“.

Erst Personalabbau verursachen und anschließend fehlendes Personal beim Dienstleister beklagen? Das kann nicht ernsthaft die Antwort auf die aktuellen Missstände in der Fluggastkontrolle sein.
Denn genau der Flughafenbetreiber hat im sogenannten Frankfurter Modell, gerne auch als „Neue Welt“ bezeichnet, die Verantwortung für Organisation und Steuerung der Fluggastkontrollen übernommen. Der Flughafen beauftragt den Sicherheitsdienstleister Securitas und gibt über Ausschreibung, Vertragsgestaltung und die Organisation der Fluggastkontrollen wesentliche Rahmenbedingungen für den Personaleinsatz vor.
Im Zuge der Einführung der neuen CT-Technik wurde beim beauftragten Sicherheitsdienstleister Securitas massiv Personal abgebaut. Und dieser Personalabbau ist noch nicht einmal abgeschlossen.
Wenn das System dann an seine Grenzen gerät und Fluggäste in langen Warteschlangen stehen, kann der Flughafenbetreiber nicht einfach mit dem Finger auf den von ihm selbst beauftragten Sicherheitsdienstleister Securitas zeigen.
Dieses Schwarze-Peter-Spiel muss ein Ende haben.
Denn Securitas ist nicht irgendein Sicherheitsdienstleister. Es ist der vom Flughafenbetreiber selbst beauftragte Dienstleister. Wer diesen Dienstleister beauftragt, die Rahmenbedingungen für dessen Personaleinsatz vorgibt und die Verantwortung für Organisation und Steuerung der Fluggastkontrollen übernommen hat, kann sich bei einer Personalunterdeckung nicht hinter seinem eigenen Auftragnehmer verstecken. Wer bestellt und steuert, trägt auch Verantwortung für das Ergebnis.
Die beste Technik bringt nichts ohne ausreichend Personal
ver.di warnt seit Monaten genau vor dieser Entwicklung.
Auch der jetzt angeführte Hinweis vom Flughafenbetreiber auf überdurchschnittlich hohe Krankenstände ändert daran nichts – im Gegenteil. Gerade deshalb haben wir vor einem vorschnellen Personalabbau gewarnt. Wer die Personalstärke immer enger am erwarteten Fluggastaufkommen ausrichtet und Personalreserven abbaut, darf sich nicht wundern, wenn krankheitsbedingte Ausfälle oder Urlaubszeiten kaum noch aufgefangen werden können. Eine funktionierende Fluggastkontrolle braucht nicht nur Personal für den rechnerischen Normalbetrieb, sondern ausreichende Reserven, um genau solche Situationen bewältigen zu können.
Wir haben immer wieder deutlich gemacht: Führt zunächst die neue CT-Technik mit ausreichend vorhandenem Personal ein, sammelt Erfahrungen im realen Betrieb und entscheidet anschließend, welcher Personalbedarf tatsächlich besteht.
Stattdessen wurde aus unserer Sicht der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Noch während die neue Kontrolltechnik nach und nach eingeführt wurde und längst nicht sämtliche Kontrollstellen entsprechend ausgestattet waren, wurde bereits Personal beim beauftragten Sicherheitsdienstleister abgebaut.
Und jetzt beklagt ausgerechnet der Flughafenbetreiber eine Personalunterdeckung beim Dienstleister. Genau vor dieser Entwicklung haben wir gewarnt.
Moderne Technik darf kein Selbstzweck und schon gar kein Instrument zum Personalabbau sein. Entscheidend ist, ob das Gesamtsystem aus Technik, Organisation und ausreichend qualifiziertem Personal funktioniert.
Die heutigen Warteschlangen (15.09.2026) zeigen, wie schnell dieses System ins Wanken geraten kann.
Flughafenbetreiber muss sich an die eigene Nase packen
Besonders ärgerlich ist deshalb die aktuelle Kommunikation des Flughafenbetreibers.
Wer den Sicherheitsdienstleister selbst beauftragt und über Ausschreibung und Vertragsgestaltung die Rahmenbedingungen für dessen Personaleinsatz setzt, kann sich bei Problemen nicht so darstellen, als läge die Verantwortung allein beim Dienstleister.
Der Flughafenbetreiber kann nicht auf der einen Seite Personalabbau verursachen und sich auf der anderen Seite über fehlendes Personal beklagen.
Es entsteht aber genau dieser Eindruck: Funktioniert alles, wird die „Neue Welt“ mit ihrer modernen CT-Technik als Erfolg präsentiert. Entstehen lange Warteschlangen, heißt es plötzlich: Personalunterdeckung beim Sicherheitsdienstleister.
Nein. So funktioniert Verantwortung nicht.
Unsere Kolleginnen und Kollegen sind nicht der Prellbock!
Besonders wütend macht uns, wer die Folgen am Ende ausbaden muss: die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle.
Kolleginnen und Kollegen berichten uns aktuell, dass sich der Unmut wartender Fluggäste unmittelbar gegen sie richtet. Das ist für die Beschäftigten eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin schwierigen Arbeitssituation.
Dabei haben sie über all das nicht entschieden.
Sie haben nicht entschieden, Personal abzubauen. Sie gestalten nicht die Ausschreibungen und Verträge. Sie legen nicht fest, mit welchen Personalstärken die Kontrollstellen betrieben werden.
Unsere Kolleginnen und Kollegen machen unter erheblich schwierigen Arbeitsbedingungen jeden Tag einen hervorragenden Job. Sie sind nicht verantwortlich für die Personalunterdeckung!
Wir werden nicht akzeptieren, dass sie zum Prellbock zwischen Flughafenbetreiber, Sicherheitsdienstleister und verärgerten Fluggästen gemacht werden.
Willkommen in der „Neuen Welt“?
Mit dem Frankfurter Modell hat der Flughafen Köln/Bonn die Verantwortung für Organisation und Steuerung der Fluggastkontrollen übernommen.
Dann muss er diese Verantwortung auch tragen.
Es reicht nicht, nach außen mit hochmoderner CT-Technik und einem modernen Kontrollsystem zu werben. Entscheidend ist nicht, wie modern eine Kontrollspur aussieht. Entscheidend ist, ob das System im täglichen Betrieb funktioniert.
Die Ereignisse des heutigen Tages bestätigen das, wovor wir seit Monaten warnen: Die beste Technik bringt nichts, wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist.
Deshalb sagen wir dem Flughafenbetreiber sehr deutlich:
Beenden Sie dieses Schwarze-Peter-Spiel!
Übernehmen Sie Verantwortung für die Organisation und Steuerung der Fluggastkontrollen und sorgen Sie dafür, dass unsere Kolleginnen und Kollegen ihre wichtige Arbeit mit ausreichend Personal erledigen können.
Denn eines lassen wir nicht zu:
Erst Personalabbau verursachen, dann Personalunterdeckung beklagen und am Ende die Beschäftigten den Ärger ausbaden lassen.
Wer die Verantwortung für die Fluggastkontrollen übernimmt, muss sie auch dann tragen, wenn es nicht läuft.
Schluss mit den Kostenspielen auf dem Rücken und zu Lasten der Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen!
